Zum Schmutzige Donnschtig in Schwyz

Fasnachtsfiguren Schwyz (Foto: Kurt Vogt)

Traditionell beginnt in Schwyz die Fasnacht am Montag nach der Generalversammlung der Nüssler, die wiederum nicht vor dem 6. Januar stattfinden darf. So wünschen wir allen Fasnächtlern einen guten Start und eine gefreute Zeit.
Kurt Vogt,
Hans Weber, Alterspräsident der Schwyzer Nüssler formulierte an der Fasnacht 2024 Gedanken zur Nüsslerrott und ihren Figuren. Er gab mir die Erlaubnis den Text auch in Zukunft verwenden zu dürfen. So finden Sie hier einen Auszug seiner Gedanken:

«Eine grosse farbenprächtigen Rott. Die Maschgeraden umgeben von einer bettelnden Kinderschar – siend so guet liebä schöne Maschgerad, siend so guet! und dazu güüsen sie laut und so hoch sie können. Sie werden beschenkt mit Orangen, Süssigkeiten, ab und zu auch mit Mutschli und Würsten.
Die Maschgraden verteilen auf eigene Kosten, sie teilen – auch unser Kirchenpatron Martin teilte. Mit der Unterstützung von hilfsbedürftigen und in Not geratenen Menschen teilen auch wir, wir geben etwas von unserem Wohlstand ab, tut es uns weh oder könnten wir mehr teilen?

Ein herrliches, freudiges und friedliches Bild! Die Maschgraden intrigieren, Menschen lachen, strahlen und unterhalten sich mit den Maschgeraden, ohne zu wissen wer hinter der Maske steckt. Sie unterhalten sich mit einem Unbekannten, mit einem Fremden!
Unbekannt, Fremd können einheimische oder fremdländische Menschen sein. Während es uns leicht fällt mit Unseresgleichen oder mit einem Maschgerad ein Gespräch zu führen, fällt es uns umso schwerer mit einem fremden Menschen ein spontanes Gespräch zu führen, es würde ihm vielleicht gut tun. Warum eigentlich, haben wir Vorurteile oder Ängste vor Fremden, weil sie anders sind?

Die Rott wird dominiert von den Hauptfiguren Blätz, Bajazzomaitli, alter Herr, Zigeunerin, Domino und das Hudi! Alles vertraute Figuren, in die sich die Maschgeraden gerne verwandeln und es geniessen anders zu sein.
Der Blätz – Unsere Hauptfigur, sein Vorbild der Arlecchino aus der italienischen Commedia dell’Arte. Imposant mit seinem Blätzkostüm und dem Schellengurt.
Das teure Gewand und erst recht der Schellengurt könnte für von Wohlstand zeugen.
Das Bajazzomäitli von gleicher Herkunft jedoch mit Napoleonshut. Eine Mischung aus italienischer und französischer Herkunft.

Ebenso das Domino aus der Commedia dell’Arte, eigentlich heisst es ,der Domino’. In Schwyz gibt es zwei Domino-Masken, das freundliche Mädchengesicht mit der schwarzen Nasen-, Augen- und Stirnpartie und die etwas plumpe Lappimaske mit der roten Knollennase. Als Originalmaske gilt bei den Schwyzer Nüssler das schmale und feine Mädchengesicht.
Sie tragen das gleiche Gewand ob Lappi oder Mädchen, wir sind konservativ tolerant gegenüber dem Domino und verlangen keinen Genderstern an der ausgestopften Zipfelmütze.

Der alte Herr, die älteste Fasnachtsfigur von Schwyz, ein Aristokrat in nobler französichen Bekleidung.
Erinnert uns an vergangene Söldnerzeiten. Leider wieder weltweit im Aufschwung.
Der Zigeuner, das Abbild wandernder bzw. fahrender Völker aus dem Osten oder auf Grund der dunklen Maske möglich auch aus Spanien.
Stellt die Figur eine Zigeunerin oder ein Zigeuner dar? Egal, in der Rott sind sie willkommen und sind sie es auch während den andern vier Jahreszeiten?

Das Hudi – Entschuldigung, aber so stehts geschrieben von einem Staatsarchivar in der Festschrift von 1991: die Schwyzer sehen in ihr eine alte, redselige und nicht unbedingt sympatische Weibsperson, kurzum ein „Rätschwiib“ –– natürlich sind anwesende ausgeschlossen und ehrlich gesagt auch Männer hocken nicht immer auf dem Maul. Inzwischen übernehmen Fakes-News diese Funktion.

Diese Betrachtungsweise der Hauptfiguren bringt es an den Tag: Viel Fremdes ist in der Rott, emigriert aus Nord, Ost, Süd und West, die Rott ist europäisch. Der Bauer, Viehändler, Metzger, Bäcker, Koch und andere hiesigen Figuren laufen, verteilen und nüsslen mit ihnen. Die Europäer gefallen uns und färben mit ihren bunten Gewänder die Rott.

In der Rott sind sie voll integriert und ausserhalb?
Wer hätte vor mehr als 100 Jahren geglaubt, dass wir Nüssler Fremdes zu Tradition machen?


Und der gesellschaftlich Stand der Figuren reicht vom noblen Adel bis zu den Fahrenden, von reich bis weniger reich! Sie bilden in der Rott eine Einheit, eine eingeschworene Gemeinschaft, sie ziehen am gleichen Strick, dies zur Freude von Gross und Klein.

Ziehen wir im Alltag auch am gleichen Strick oder wird der eigene gesellschaftliche und wirtschaftliche Stand mit allen Mittel verteidigt und suchen wir die Solidarität mit dem schwächeren Glied der Gesellschaft oder vernachlässigen wir sie?

Was will ich mit dieser Betrachtungsweise sagen?
Die Hauptfiguren reflektieren Fragen. Morgen sind sie wieder in Scharen unterwegs die Maschgeraden. Vielleicht schauen wir die Hauptfiguren und das Umfeld der Rott etwas genauer an und es könnte sein, dass an unserer Seite Unbekannte, Fremde sich gleichermassen am Treiben auf dem Hauptplatz erfreuen. Fragen wir doch, vielleicht ergibt sich daraus ein erfreuliches und wertvolles Gespräch!
Also freuen wir uns auf die Tage der fünften und schönsten Jahreszeit.
Blätz, Bajazzomaitli, alter Herr, Zigeunerin und Domino euch wollen wir noch sagen, lasst euch nicht aus der Rott vertreiben - remigrieren, ihr seid uns nicht fremd, wir haben euch gern. Laufet und tanzet weiterhin mit uns Bauern, Viehhändler, Metzger, Bäcker und usw. im Takt des Narrentanzes durch die Gassen von Schwyz.
Solang’s nu üch alli git am Mythe, lömmer Fasnacht nit uf de Site!»
Pfarramt Schwyz
Herrengasse 22
6430 Schwyz


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Bereitgestellt: 11.02.2026     Besuche: 79 Monat